Ein ganz normaler Tag.

8 Uhr Morgens. Ich entschwebe der dampfenden Duschkabine und bei dem Versuch in meine Ripped Jeans zu steigen (diese schönen Hosen die so aussehen als hätten sie für 2 Bahnen unter dem Rasenmäher gelegen) – klingelt das Handy. Ein Bein drin – und das andere Bein wird sich prompt in den Rasenmäher-designeten Schlitzen des Hösleins verfangen.

Und während ich noch nach dem Handy hangele, liege ich schon flach wie eine Flunder auf meinem mediterranen Fußbodenmosaik.

Wie reingemalt. Das Handy brav am Ohr.

Ich: „Hallo?“ Er: „Hallo. Ich bin´s. Wollte nur sagen, mein Akku ist fast alle. Kannst Du mich bitte gleich mal zurückrufen, falls ich Dich nicht mehr anrufen kann?“ Ich: „Hä? Wie soll ich Dich erreichen wenn Dein Akku alle ist?“ Er: „Ach so. Stimmt auch wieder“.

Der Tag fängt wirklich gut an. Beim Aufwachen hatte ich noch darum gebeten das mir das Universum Heute etwas ganz, ganz Schönes zeigt. Auch der Volksmund „Wer schön sein will muss leiden“ trifft es dann trotz allem Wollen nicht – meine Kniescheiben werden langsam schön blau und mit schmerzenden Stelzen bewege ich mich tapfer dem jungen Morgen und seinen kommenden Herausforderungen entgegen.
Unten warten 6 Felltiere auf mich. Hungrig. Eines davon braucht meine volle Konzentration bei der Zubereitung seines Frühstückes. Protein, CBD Öl, Globuli, Aloe Vera und ein grüner Wildkräuter-Smoothie mit ein bisschen roter Beete drin.

Gabriel hat kürzlich eine garstige Zuckerdiagnose vom TA bekommen – neben einigen anderen Baustellen. Mit fast 13 Jahren ist er eben leider ein echter Senior. Hinzu kommen eine leichte Dysplasie hinten an der Hüfte, Spondylose und eine Vergrößerung der Prostata. Für seine Gelenkprobleme hatte ich noch vor kurzem großzügig und auf Vorrat Glucosamin eingekauft – was ich ihm nun aufgrund seiner Diabetes nicht mehr geben kann.
Also müssen andere Waffen her: Besondere (und besonders teure) Proteine für die Knochen und Kürbissuppe mit geschredderten Kürbiskernen gegen seine Diabetes und für die Prostata. Ich mag es, wenn ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann.

Und gegen die Schmerzen CBD (Cannabis)Öl – auf seine alten Tage wird er noch gedoped mein Grauer.

Während ich ihm seine morgendlichen 8 Tropfen zuteile, überlege ich, ob ich mir auch einen Schwung gönnen soll – von allem. Ein bisschen Anti Aging und Anti-Aua schadet nicht – also rein mit dem Zeug.
Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nichts von meinem Triumph über meinen Tierarzt – und vorerst gibt es ohnehin noch anderes zu bewältigen. Die Urinprobe die sich Jannis von Gabriel wünscht zum Beispiel…

Nachdem das Fellvolk abgefüttert ist begebe ich mich motiviert daran, meinen extrem sorgfältig ausgetüftelten Urinentnahme-Plan umzusetzen:

Ich schnappe mir ein kleines Konservengläschen mit Deckel, die Hundeleine – und Gabriel. Der Plan geht so:

Gabriel hebt an einem der unzähligen Rosmarinsträucher auf dem Grundstück herrisch und zügig das Bein um zu markieren. Blitzschnell und entschlossen werde ich das kleine Glas in den Strahl halten. Soweit der gute Vorsatz. Nach 5 Sekunden liege ich vollgepinkelt im Rosmarin und Gabriel guckt mich an, als ob ich einen an der Waffel hätte. Nochmal. Der zweite Anlauf klappt, das kleine Glas ist fest verschraubt und ich bin wieder auf dem Weg unter die Dusche – diesmal mit einer frischen Hose ohne Rasenmäherschlitze.
Zwei Anrufe später (von Menschen mit vollem Akku) sitze ich, gerüstet mit Pippi-Glas, im Auto auf dem Weg ins Städtchen.

Das Cannabis Öl hat unterdessen auch bei mir seine Wirkung getan – ich bin in tiefem Frieden mit mir und meinen blauen Beinen und die einzige Frage, die mich im Moment nachhaltig und glückselig beschäftigt ist die, wie es jetzt und für den Rest des Tages noch viel, viel besser werden kann.
Direkt vor der Praxis wartet dann auch ein schöner Parkplatz auf mich. In der Praxis wartet ein total genervter Jannis, der dem Bäuerlein vor ihm klar zumachen versucht, das er dem Hühnchen das still und geduldig in seiner Katzentransportbox sitzt, die Beine nicht schienen kann und das das Problem von einer Mangelernährung kommt. Ich merke wie mich eine tiefe Rührung überkommt – der brave Mann will sein Huhn retten, anstatt es dem Kochtopf zu übergeben..und tatsächlich erfahre ich im weiteren Wortwechsel das es sich nicht um ein Suppenhühnchen sondern um ein Stubenhühnchen handelt. Der Liebling seiner Frau, nachdem die Kinder aus dem Haus sind..
Gefühlte Stunden später und nachdem der Hühnermann einsichtig und dankbar nebst Federvieh „Anna“ und einer Tüte voller Nahrungsergänzungsmittel die Praxis verlassen hat, bin ich dran und übergebe einigermaßen stolz das Gläschen mit seinem unter großen Opfern ertrotztem Inhalt.

Während der T-Arzt meines Vertrauens irritiert mit dem Zeigefinger auf meine Haare zeigt in denen sich hier und da noch ein paar Rosmarinnadeln befinden, erhalte ich einen ernsten Vortrag darüber, das wir wohl nicht ums Insulin spritzen herum kommen werden und ich soll vorbereitet sein. Jaja, das wird nicht einfach und mir wird auch direkt ein bisschen schlecht bei dem Gedanken, was dieser Wolf wohl mit mir macht, wenn ich ihn täglich mehrfach pieken muss.
Ich brauche also einfach einen gewitzten neuen Plan. Die Planfragmente in meinem Kopf in Sachen Insulin Pieksen und Zucker testen – also noch mal und über den Tag mehrfach! pieksen, sowie dem Verteilen von ErsteHilfe Kästen für mich auf dem Grundstück sind gerade noch dabei sich logisch zu formieren, da kommt Jannis aus dem Nebenraum zurück, guckt mich an und fragt streng ob ich was mit der Fütterung geändert habe. Nöööö…

Ich traue mich jetzt wirklich nicht, ihm von grünen Smoothies und Cannabisölen zu erzählen und auch den Kürbis und die Globulis lasse ich besser weg. Der Tag hat es eh bis jetzt schon in sich und Jannis ist ein gläubiger Jünger der konservativen Medizin.
Auf meine kleinlaute Gegenfrage warum er das denn wissen will erfahre ich, das im Urin kein Zucker nachgewiesen werden konnte. Und das natürlich Zucker da sein KANN – dazu bräuchte man Blut – aber der sei dann eben nicht so hoch, denn hoch ist er erst wenn man ihn am Urin erkennt. Aha.

Ich merke wie ich ein Stück größer werde – und noch ein Stück größer, als ich beschließe, ihm nicht den mentalen Todesstoß zu verpassen und meine alternaiven, der Hoffnung geschuldeten eigenwilligen Nahrungsbeimischungen für mich zu behalten.

Mit einem gewissen Allmachtsbewußtsein verlasse ich die Praxis. Der Rest des Tages verläuft – bis auf die Tatsache, das mein Essen verbrannt ist, weil ich vergessen habe den Backofen vor meiner Fahrt ins Städtlein auszumachen – gewohnt ruhig und harmonisch.

Am Abend bekomme ich dann doch noch einen Anruf – der Akku ist nun wieder voll und ER wieder erreichbar.

Und während ich die frohe Botschaft vernehme, treten meine nackten Füßchen in ein Schildkrötenhäuflein und die Dusche ruft zum dritten Mal.

Alles sauber – Alles gut. Nur ein bisschen hungrig bin ich. Ein ganz normaler Tag eben.

2 Kommentare

  1. Toll das es Gabriel wieder besser geht, das Ölchen hätten wir Gabi geben sollen wie sie kränklich war.😁 Dickes Bussi Andi

  2. Du solltest Bücher schreiben🤗😙

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